Am mycrofon mit…Prof. Dr. Hans Brandt-Pook

Hans Brandt-Pook

Wann//09.2018  Gesprächszeit//10 Minuten

Prof. Dr. Hans Brandt-Pook, Lehrgebiet Wirtschaftsinformatik, insb. E-Commerce und Web-Applikation an der FH Bielefeld zum Thema Digitale Transformation

Herr Brandt-Pook, beschreiben Sie bitte kurz Ihre Organisation…

Ich bin Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Bielefeld. Die Fachhochschule Bielefeld ist eine Hochschule mittlerer Größe mit ca. 10.000 Studierenden und 600 Beschäftigte. Ich bin im Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit tätig und vor allem mit Studierenden unterwegs, die entweder der Wirtschaft unmittelbar zugeordnet sind (also BWL Studierende) oder in „Bindestrich-Disziplinen“ (Wirtschaftsrecht, Wirtschaftspsychologie oder Wirtschaftsinformatik) studieren.

Herr Brandt-Pook, vervollständigen Sie bitte den Satz: "Digitale Transformation bedeutet für mich..."

…tiefgreifende Umgestaltung in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Ich glaube nicht, dass Digitale Transformation ein Buzzword ist, das kommt und verschwindet. Möglicherweise kann es die eine oder andere Modifikation im Begriff geben, aber der Prozess, der angestoßen wurde, wird uns noch viele Jahre begleiten und gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen.

Wie bewerten Sie die Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft - eher disruptiv mit sehr starken Veränderungen oder wird das eher ein schleichender Prozess?

Es wird beides geben. Es wird Branchen geben, die sich sehr schnell und disruptiv verändern werden. Wenn ich an berühmte Beispiele wie airbnb oder Uber denke, dann wird es hier und da schon sehr schnelle und große Veränderungen geben. Neben den genannten Beispielen erwarte ich auch große Veränderungen im Bankenbereich. Bei klassischen Bankgeschäften wird sich vieles ändern.

Für mich ist gar nicht so entscheidend, ob es disruptiv oder schleichend sein wird, die Veränderungen werden in jedem Fall nachhaltig sein. Ältere Menschen erinnern sich noch an eine Zeit, da gab es kein Internet. Das Internet als gesellschaftliches Phänomen haben wir round about 20 Jahre. So wie heute das Internet das Leben der Menschen beeinflusst (sei es wie man einkauft oder wie man kommuniziert), so wird es auch unter dem Stichwort „Digitale Transformation“ in vielen anderen Bereichen sein. Dinge werden wir dann digital unterstützt durchführen, die wir heute mehr oder weniger analog durchführen.

Können Sie bestimmte Digitalisierungstrends oder Technologien ausmachen, die aus Ihrer Sicht Hochschulen in naher Zukunft stark beeinflussen werden?

Nein, das Spektrum möchte ich nicht eingrenzen. Für die Hochschule spielt das Thema Digitale Transformation in der Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie als Inhalt natürlich eine Rolle. Studium und Lehre werden stark beeinflusst, denn jedes Fach sollte sich mit der Frage beschäftigen: „Was heißt Digitalisierung für mein Fach, für mein Fachgebiet und für die Menschen, die wir ausbilden?“. Damit muss man sich beschäftigen. Das zusammen mit dem Bereich Forschung bildet die inhaltliche Perspektive.

Neben der inhaltlichen Perspektive in Lehre und Forschung sind die hochschulinternen und -externen Prozesse relevant. Die Hochschulen stehen natürlich im Wettstreit untereinander und auch mit anderen Bildungsanbietern. Ich gehe davon aus, dass Hochschulen in den kommenden Jahren sich damit befassen müssen und nicht so tun können, als existierte das gar nicht nach dem Motto „Wir machen schön Präsenzveranstaltungen mit Tafel und Kreide“ - das wird nicht funktionieren. Die internen Prozesse müssen anders laufen, die Prozesse mit den Studierenden müssen digitaler werden: „Wie melde ich mich zum Studiengang an bzw. zurück?“, „Wie unterstützen digitale Medien meinen Lernprozess?“, „Wie erhalte ich meine Prüfungsergebnisse?“. Da ist noch viel Luft nach oben und es gibt viele Themen, die momentan in den Hochschulen bewegt werden.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen der Digitalisierung für Hochschulen?

Wir haben schon viele gute Beispiele. Eine sehr große Herausforderung ist der Switch vom E-Learning zur digitalen Bildung, also sich von dem Gedanken zu verabschieden: „Wenn wir uns mit digitalem unterstütztem Lehren und Lernen beschäftigen, dann heißt das wir haben E-Learning-Räume oder wir haben vielleicht elektronische Prüfungen“. Stattdessen müssen wir sehen, dass sich der gesamte Kernprozess Lehre unter dem Stichwort Digitalisierung verändert. Das fängt an bei der Formulierung von Studienangeboten, geht über die gesamten bereits angesprochenen studienbegleitenden Prozesse, über die Inhalte und die digital unterstützten Lehr-/Lernformate bis hin zu Prüfungen, Bescheinigungen der Prüfungsleistungen, Abschlusszeugnis, Alumniarbeit. Der ganze Prozess von der Bewerbung bzw. dem Studieninteresse bis zur Alumniarbeit wird sich digital ändern.

Dazu gibt es ja auch eine Reihe von Aktivitäten, beispielsweise beim Hochschulforum Digitalisierung, in der Digitalen Hochschule NRW oder bei E-Learning NRW. Das sind Initiativen, die sich dem Prozess stellen und da viele Beispiele sammeln und publizieren.

Wie können Hochschulen diesen Herausforderungen begegnen bzw. kennen Sie Beispiele, wie diese die Digitale Transformation gestalten?

Ich glaube, das ist eine Aufgabe, mit der ist man nicht fertig. Man kann nicht sagen: „Wir haben das Thema E-Learning gut gelöst“, sondern das wird sich immer weiterentwickeln. Wir haben jetzt einen bestimmten Erkenntnisstand, mit Leuchttürmen und mit weniger guten Erfahrungen. Das Thema MOOC zum Beispiel hat den Zenit überschritten und man hat gelernt, so wie es ursprünglich gedacht war, funktioniert es eben nicht. Gleichwohl kann man natürlich Erkenntnisse daraus ziehen und dieses Format weiterentwickeln und Elemente daraus durchaus verwenden.

Ein weiteres Beispiel ist Flipped Classroom. Hierüber gibt es sehr gute Berichte und es gibt sehr gute Erfahrungen damit, aber ich würde nicht sagen, Flipped Classroom ist das Modell, welches flächendeckend in allen Fächern und in allen Veranstaltungen eingeführt werden sollte. Wir sind eher in einem Such- und Optimierungsprozess – und das wird auch so bleiben. Da hat vielleicht noch jemand eine coole Idee, wie man die Lehre und das Lernen interessant oder lernförderlich gestalten kann und dann wird man da Erfahrungen machen.

Was sind die drei Kernkompetenzen, die Studierende bzw. Arbeitskräfte in den nächsten 5 Jahren haben bzw. entwickeln müssen, um die Digitale Transformation umsetzen zu können?

Ich werde das auf zwei Ebenen konzentrieren. Das eine ist die fachliche Ebene. Dort liegt die benötigte Kernkompetenz im Umgang mit digitalen Daten. Das gestaltet sich natürlich je Fachdisziplin unterschiedlich. Wenn ich heute zum Beispiel Wirtschaftsinformatik betrachte, dann werde ich solche Dinge wie Datenanalyse, Umgang mit Big Data und KI-gestützte Auswertung von Daten natürlich stärker in den Fokus nehmen als wenn ich Soziale Arbeit studiere. Gleichwohl müssen auch Absolventinnen und Absolventen der Sozialen Arbeit heute wissen, was es für Möglichkeiten gibt, auf Basis digitaler Daten Soziale Arbeit zu gestalten.

Damit komme ich zu meiner zweiten Ebene, die ich als Kernkompetenz sehe. Noch stärker als in den letzten Jahren wird das Thema „embrace change“ eine Rolle spielen, also „heiße den Wandel willkommen“. Diese Haltung zu entwickeln ist erforderlich, weil das Thema digitale Transformation als Prozess zu begreifen ist, in dem es viele Veränderungen geben wird.  Sich darauf einzustellen, dass das was ich heute lerne, nicht reichen wird bis ich mein Rentenalter erreiche, das wird noch wichtiger als es sich schon in den letzten Jahren abgezeichnet hat.

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