Am mycrofon mit…Ulrich Berger

Bürgermeister der Stadt Salzkotten Ulrich Berger

Wann//03.2020  Gesprächszeit//10 Minuten

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Ulrich Berger, Bürgermeister der Stadt Salzkotten zum Thema heder:LAB.

Herr Berger, was ist das heder:LAB und für wen ist das heder:LAB eingerichtet worden?

Das heder:LAB befindet sich in historischer Gebäudesubstanz. An dieser Stelle befand sich früher die alte Post. Über Jahrhunderte hat man hier die Industrialisierung in Salzkotten erleben dürfen. Von daher kann man keinen besseren Ort finden, um Startups eine Heimat zu geben.

Für uns Salzkottener war, als wir das erste Mal vom heder:LAB gehört haben sofort klar, was damit gemeint ist. Als wir es dem ersten Außenstehenden erläutert haben, musste erstmal gefragt werden „was ist denn Heder?“. Die Heder ist unser Fluss, der durch Salzkotten fließt. Warum muss man an die Elbe oder warum muss man an die Spree gehen, man kann auch an der Heder ein Startup gründen.

Dafür haben wir heder:LAB e. V. als Verein gegründet. Ein Zusammenschluss zwischen Unternehmen aus Salzkotten und der Stadt. Wir wollen Startups praktisch vor Ort eine Plattform bieten, damit Sie richtig durchstarten können.

Herr Berger, welche Motivation haben Sie persönlich, aber auch die Stadt, um das heder:LAB voranzubringen und sich zu engagieren?

Ich bin zweiter Vorsitzender, und das mache ich auch sehr gerne. Ganz bewusst haben wir uns als Stadt ein bisschen in den Hintergrund gesetzt, weil die Idee aus der Unternehmerschaft kam. Dies finde ich sehr spannend. Normalerweise ist es gerade in der Startupszene so, dass die öffentliche Hand federführend ist. In diesem Fall sind die Unternehmer auf uns zugegangen.


Vielleicht liegt es auch an meiner Beschäftigung vor meiner Tätigkeit als Bürgermeister. Damals war ich 20 Jahre lang Wirtschaftsförderer der Stadt Salzkotten und habe gesehen, wie Unternehmen erfolgreich waren bzw. geworden sind, aber auch wie Unternehmen keinen Erfolg hatten. Dies lag häufig daran, dass die Geschäftsidee zwar gut war, aber dass die Rahmenbedingungen nicht ideal waren. Hier wollen wir Unterstützung bieten.

Wo sehen Sie momentan die größten Herausforderungen und vor welchen Aufgaben steht der Verein in der aktuellen Situation?

Das heder:LAB ist praktisch selber ein Startup gewesen. Das heißt wir hatten die gleichen Voraussetzungen, die auch ein Startup hat. Wir mussten eine Rechtsform finden – wir haben den Verein gewählt. Die Räumlichkeiten hatten wir Gott sei Dank schon hier im alten Postamt. Das war relativ klar, dass wir es hier machen wollen.

Wir mussten die Finanzierung sichern, dass heißt wir müssen auch Förderanträge stellen und müssen Sponsoren suchen. Wir mussten uns um eine geeignete Möblierung, um Steuern und Recht kümmern – also all das, worum man sich als Startup auch kümmern muss, mussten wir durchlaufen.

Wir sind jetzt soweit, dass der Verein gegründet ist und wir in ein paar Wochen durchstarten können. Das Ganze soll mit professioneller Unterstützung durch eine hauptamtliche Geschäftsführung erfolgen, welche noch gesucht werden muss. Wenn wir den Fördermittelbescheid bekommen haben, kann es richtig losgehen. Mittlerweile haben wir aber auch die ersten Anfragen von interessanten Unternehmen, die in den herder:LAB aufgenommen werden wollen.

Was bringen die unterschiedlichen Mitglieder mit ein, wovon die Gründer*innen im heder:LAB profitieren können?

Sie bringen vor allem zwei Dinge ein, die wichtig sind: Erstens bringen Sie Geld mit in den Topf, das ist natürlich sehr wichtig, da so ein Vorhaben finanziert werden muss. Aber viel schöner ist es, dass Sie auch ihre Zeit investieren. Geld zu geben ist das Eine, das Andere sich auch die Zeit für die Startups zu nehmen, ohne dass man sofort selber einen Erfolg für das Unternehmen hat.

Wir haben insgesamt acht Mitglieder im heder:LAB e. V. mit unterschiedlichen Professionen. Diese reichen von Beratungsunternehmen im Bereich IT/ Telefonie, über Recht, Finanzierung, Werbung, die Stadt als Wirtschaftsförderung, Automotive und Industrie 4.0. Wir sind also sehr breit aufgestellt.

Dies begünstigt, dass im heder:LAB nicht nur Studenten ihre neue Heimat finden sollen, sondern auch diejenigen, die aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis heraus ausgründen möchten. Sie finden im heder:LAB die Unterstützung in Form von Räumlichkeiten, aber haben auch immer die Möglichkeit partnerschaftlich mit Firmen zusammen zu arbeiten.

Können Sie einen kleinen Ausblick geben, wann die ersten Startups hier in den Räumen anzutreffen sind?

Als erstes brauchen wir natürlich die notwendige Infrastruktur. Da sind wir dabei, dass in diesem Monat die entsprechenden Möbel, Drucker und ähnliches bereitstehen werden. Wir sitzen hier momentan noch an provisorischen Möbeln. Diese werden zukünftig noch schicker und hipper, wie das heutzutage sein sollte.

Wir werden dann mit den Interessenten die ersten Gespräche führen, da natürlich nicht jeder ins heder:LAB kommen soll. Vielmehr sollen diejenigen, die wirklich eine gute, valide Geschäftsidee haben, bei der wir davon überzeugt sind, dass sich diese im Markt durchsetzen kann in das herder:LAB kommen. Aber ich hoffe, dass wir im zweiten Quartal 2020 die ersten Unternehmen hier begrüßen dürfen.

Wiarum ist ein Platz im heder:LAB genau das Richtige für Gründer?

Unsere Welt ist sehr digital. Man kann alles im Internet finden und man kann vieles online erledigen, aber ich glaube gerade in der Gründungsphase ist der klassische analoge Kontakt besonders wichtig. Hierzu zählt besonders der Austausch mit Anderen und das Gefühl, dass man mit seiner Idee nicht allein gelassen wird und das Ganze in einem relativ familiären Umfeld.

Salzkotten ist eine kleine Stadt. Wir bieten hier Platz für zehn bis zwölf Gründer, die im alten Postamt dann zu Hause sein sollen. Ich glaube es wird eine Atmosphäre geboten, in der man kreativ arbeiten kann und in der man sich komplett auf sein Geschäftsfeld fokussieren kann und unterstützt wird. Folglich muss man sich um Kleinkram wie Steuerrecht, Gewerberecht, Exportbescheinigungen oder ähnliches, nicht mehr kümmern. Somit steht die Idee im Vordergrund und man kann sich und seine Idee gut entwickeln.

Natürlich ist das Projekt nicht ganz uneigennützig. Wir hoffen natürlich, dass die Startups irgendwann eine Größe erreichen, bei der sie uns sagen, dass Sie keinen Platz mehr haben. Dann haben wir in Salzkotten natürlich auch an anderen Stellen schöne Gelegenheiten die Unternehmen weiter wachsen zu lassen.

Welchen Appell möchten Sie an Gründer richten, um zu motivieren Geschäftsideen im heder:LAB zu verwirklichen?

Es muss nicht in den traditionellen Gründerzentren sein, sondern es kann auch eine kleine Stadt wie Salzkotten sein. Hier ist viel Herzblut mit dabei. Wir haben innerhalb eines halben Jahres das Projekt gemeinsam entwickelt – Unternehmen und Stadt.

Hier rennt man offene Türen ein. Wir sind die Verwaltung der kurzen Wege und derjenige, der sich in familiärer Atmosphäre weiterentwickeln möchte ohne das Große und Ganze aus dem Auge zu verlieren, ist bei uns im heder:LAB genau richtig.

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